Es ist Zeugniszeit. Bei uns war es gestern so weit. Das Kind hat eigentlich keinen Grund sich zu beschweren. Sie ist in der dritten Grundschulklasse und ihre schlechteste Note ist ein ''Befriedigend' in Kunst!! Dennoch macht sie sich jetzt schon Sorgen, dass sie mit einer 3 in Kunst und einer schwachen 2 in Sport nicht am Ende des nächsten(!!!) Schuljahres auf das Gymnasium wechseln könne.
Da sitze ich nun und schüttele innerlich mit dem Kopf. Ich habe mir - in einer Zeit vor der Schule und den Zensuren - überlegt wie ich auf Zeugnisse reagieren soll und mir Strategien überlegt wie ich am Besten auf eine schlechte Note reagieren will. Was ich aber nicht überlegt habe wie ich auf ein Kind reagieren soll, dass über einem 'Befriedigend' in Tränen ausbricht.
Man könnte jetzt meinen wir sind vielleicht Eltern, die ihr Kind zu Höchstleistungen trimmen und auf alles schlechter als ein 'Sehr gut' mit "Was weiß ich was" reagieren. Das ist mitnichten der Fall. Das Kind macht sich diesen Stress selber.
Meine Überzeugung in einer Schule komplett ohne Noten könnte dieser Stress aufgefangen werden hat sich geändert.
Ich denke inzwischen, dass unser Bestreben den Kindern Enttäuschungen und auch Versagen zu ersparen haben dazu geführt, den gesunden - ich betone gesunden - Vergleich miteinander untergraben zu haben. Mein Kind zumindest benötigt einen externen Maßstab um ihr eigenes Verhalten - ihre eigenen Leistungen - einordnen zu können. Noten geben ihr so eine Messlatte. Das einzige was sie lernen muss ist Messlatten solcher Art nicht als Maßstab für den Wert eines Menschen zu betrachten. Je eher sie lernt, dass es viele solcher Messlatten gibt umso eher wird sie auch lernen ihnen keine Bedeutung über ihre konkrete Aussage hinaus beizumessen.
Je früher die Kinder lernen mit solchen Kategorisierungen umzugehen desto stärker sind sie vör falschen Wertungen geschützt.
Ich jedenfalls lerne daraus: Mache dir nciht zu früh Gedanken über eine fiktive Situation. Die schlechten Noten kommen früh genug.
Bis bald
Susanne
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